Biografie und künstlerische Entwicklung
Ina Rommee wurde 1988 in Temirtau in der damaligen Kasachischen SSR geboren. Von 2004 bis 2008 absolvierte sie eine Ausbildung zur Grafikdesignerin. Anschließend studierte sie Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin und schloss das Studium mit einem Bachelor- und einem Masterabschluss ab. Von 2015 bis 2016 studierte sie dort Kunst und Medien und war Meisterschülerin von Anna Anders.
Ein Ausgangspunkt für Rommees spätere Beschäftigung mit biografischer Erinnerung und Zeitzeugenschaft war ein Interview mit ihrer eigenen Großmutter. Diese stammte aus einer wolgadeutschen Familie, war während der Sowjetzeit nach Kasachstan verschleppt worden und kam nach dem Fall der Berliner Mauer nach Deutschland. Rommee und Stefan Krauss zeichneten ihre Lebensgeschichte als eines ihrer ersten biografischen Interviews auf. Die Erfahrung, historische Ereignisse über persönliche Erinnerungen und individuelle Lebensgeschichten zu erschließen, wurde zu einem wichtigen Ausgangspunkt für Rommees weitere künstlerische Arbeit.
Im Rahmen ihrer Meisterschülerarbeit bei Anna Anders an der Universität der Künste Berlin vertiefte Rommee diesen Ansatz. Gemeinsam mit Stefan Krauss führte sie mehr als 60 Interviews mit Menschen, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche in Berlin erlebt hatten. Im Zentrum standen dabei weniger historische Daten als die individuellen Erinnerungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an Alltag, Krieg, Verlust, Angst und das Aufwachsen im nationalsozialistischen Deutschland.
Aus dieser umfangreichen Interviewarbeit entwickelte sich unter anderem die Videoinstallation Neuköllner Kriegskinder. Darin werden die Erinnerungen einzelner Zeitzeuginnen und Zeitzeugen durch Montage und räumliche Anordnung der Bildschirme miteinander in Beziehung gesetzt. Die unabhängig voneinander aufgenommenen Personen erscheinen innerhalb der Installation wie Teilnehmer eines gemeinsamen Gesprächs.
Die Beschäftigung mit Kindheitserfahrungen während des Zweiten Weltkriegs führte anschließend auch zu Kinder der Blockade. Für das Projekt interviewten Rommee und Krauss Überlebende der Belagerung Leningrads, die die Blockade als Kinder erlebt hatten. Die Arbeit erweiterte die zuvor untersuchte deutsche Perspektive um Erinnerungen von Menschen, die den deutschen Angriffskrieg aus sowjetischer Perspektive erfahren hatten.
Aus diesen frühen Projekten entwickelte Rommee ihre kontinuierliche Arbeit mit lebensgeschichtlichen Interviews, Oral History und Zeitzeugenschaft. In ihren filmischen Arbeiten und Mehrkanal-Videoinstallationen werden historische Ereignisse nicht ausschließlich chronologisch vermittelt, sondern aus subjektiven Erinnerungen und unterschiedlichen Perspektiven zusammengesetzt. Durch Schnitt, Montage und räumliche Inszenierung entstehen vielstimmige Erzählungen, in denen individuelle Erfahrungen miteinander in Beziehung treten.
Charakteristisch für Rommees künstlerische Praxis ist die Verbindung dokumentarischer Interviewformen mit filmischen und installativen Präsentationsformen. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit der Frage, wie persönliche Erinnerung historische Zusammenhänge erfahrbar machen kann. Ein wiederkehrender Aspekt ihrer Arbeiten ist zudem der Austausch zwischen den Generationen und die Weitergabe von Erfahrungen innerhalb von Familien und Gesellschaften.
Rommee lebt und arbeitet in Berlin.
AUSBILDUNG
2015 - 2016 / Universität der Künste Berlin, Kunst & Medien, Meisterschülerin von Prof. Anna Anders
2009 - 2014 / Universität der Künste Berlin, Visuelle Kommunikation, Master of Arts
2009 - 2013 / Universität der Künste Berlin, Visuelle Kommunikation, Master of Arts
2004 -2008 / Ausbildung als Grafikdesignerin
AUSSTELLUNGEN
2020 / Museum Neukölln | Neuköllner Kriegskinder
2019 / Achim Freyer Stiftung | Tag des offenen Denkmals | Videoprojektion
2018 / Mühlenhaupthöfe | Video-Filmfestival | Videoprojektionen
2018 / Friedhof der Märzgefallenen | Revolutionsfilm | Beamer Projektion
2018 / alte feuerwache | Kriegskinder | 8 Kanal Videoinstallation
2017 / Mühlenhaupthöfe | Video-Filmfestival | Videoprojektionen
2017 / artfein GALLERY | Controlled Destruction | 2 Kanal Videoinstallation
2017 / Volksbühne PLAY! | Kriegskinder | Videoinstallation
2017 / alte feuerwache | Wurzelsuche | Videoinstallation
2016 / Berliner Liste | Fluchtgeschichten | 3 Kanal Videoinstallation
2016 / 48h Neukölln | Duelle | 4 Kanal Videoinstallation
2015 / Berliner Liste | Duelle | 4 Kanal Videoinstallation
2013 / 45 Sek! Visualisierung akustischer Miniaturen | Deutschlandradio Kultur
KONTAKT
ina.rommee@gmail.com